Am gestrigen Sonntag hatte mein Schwager (und somit Ulrikes Bruder) anlässlich seines Pensionsantritts zum Essen geladen, und zwar in das relativ neue und oft hochgelobte Restaurant Tartufo hier in Rhynern, früher Grüner Baum bzw. Dinner & Lounge by Andrea. Der Name des neuen Inhabers klingt zwar mehr nach Balkan, aber zumindest gibt es nur italienische Gerichte – oder was man dafür hält. Keine Ćevapčići oder den lustigen Bosniak und auch nur wenig Pizza und Pasta. Aber im Detail:
Als Gruß aus der Küche bestand aus Baguette mit Oliven und zweierler Aiolis. Völlig OK. Dazu ein Martini Bianco für jeden, der allerdings erst nach den Getränken serviert wurde.
Als Vorspeise nahm Ulli die Zuppa di Pomodoro Tomatensuppe mit Burrata gratiniert, Ulrike die Gambera All’Alio Gambas in Knoblauchsauce und ich Zuppa Tartufo Kartoffelsuppe mit schwarzen Trüffeln und Brot. Das war alles ziemlich gut, die Suppen vor allem heiß, aber es hätte doch etwas mehr Trüffel sein können. Stattdessen waren Pfifferlinge in der Suppe, und Brot, z.B. etwas angeröstet, gab’s auch nicht extra!? Und dass Suppen in Tellern serviert werden ist zwar optisch ansprechend, aber Suppenteller mit Löffel in der Suppe an den Tisch bringen geht gar nicht!
Seltsamerweise nahmen wir alle das gleiche Hauptgericht: Lucioperca Zanderfilet mit leichter Panade gebraten, eingelegt in einer Krabben-Hummersauce, serviert mit Bratkartoffeln. Mal abgesehen davon, dass Ullis Zander ein wenig zuviel Gräten hatte und die Portionen zu groß waren (Ansichtssache), gab es geschmacklich nichts zu bemängeln. Wirklich gut.
Als Dessert nahmen Ulli und Ulrike Pannacotta selbstgemacht mit Erdbeersauce und ich Amore Schokokuchen mit flüssigem Kern serviert mit Sahne und Pistazieneis. Pistazieneis war anscheinend aus und durch Walnusseis ersetzt, was eigentlich ohne darauf hinzuweisen nicht geht, man könnte ja eine Walnussallergie haben … Lecker war es trotzdem.
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Brot mit Aiolis
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Kartoffelsuppe
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Gambas
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Tomatensuppe
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Zanderfilet
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Schokokuchen
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Pannacotta
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Nächster Mittag
Also: Geschmacklich eine glatte 2, aber das Drumrum hat noch großes Optimierungspotential, daher nur eine 5, wobei die meisten Leute die Mängel wahrscheinlich überhaupt nicht bemerken …:
- Man sollte das Servieren, was in der Speisekarte steht. Zumindest soll man sagen, wenn etwas ausgetauscht wird.
- Der Aperitif wird vor den Getränken gereicht und nicht einige Zeit danach.
- Man füllt nicht 0,2l Rotwein in ein Glas, sondern nur ein wenig und den Rest à part in ein Kännchen.
- Suppenteller mit Löffel in der Suppe an den Tisch bringen geht gar nicht!
- Der Tisch war für drei Personen viel zu klein, das haben wir leider zu spät mit dem Servieren des Essens bemerkt.
- Im Prinzip waren die Portionen zu groß, fast jeder verließ das Restaurant mit einer Styroporbox. Man sollte überlegen, ob nicht auch halbe Portionen angeboten werden sollen. Es hatte aber den Vorteil, dass wir am Montag noch ein sehr leckeres MIttagessen hatten.
- Leere und unbenutzte Gläser sollten schnell abgeräumt werden.
- Defekte Leuchtmittel sagen viel drüber aus, wie sehr auf das Interieur geachtet wird.
- Die Kleidung des mitservierenden Chefs war – nennen wir es mal – „äußerst unvorteilhaft“, so sitzen wir nicht mal beim Frühstück.
Uns hat erstaunt wie gut besucht der Laden war, und das schon recht früh nach der Öffnung um 17:00! Ach ja: Den Rotwein, einen guten Primitivo hatte Ulrike, Ulli stand auf Ginger Ale und ich auf alkoholfreies Bier.
Ich werde da nachher mal hin und schauen, wir offen die für konstruktive Servicekritik sind.
Nachtrag: Ja, ich bin da Montag vorbeigekommen und rein. War nicht einfach, weil es schon wieder gut besucht war und das Telefon für Tischbestellungen ständig klingelte.
Ich habe nur vier Sachen angebracht: Das mit dem Löffel in der Suppe und den eigenmachtigen Änderungen des Kochs haben sie eingesehen. Der Rotwein wird halt so serviert, Kännchen hätten sie nicht (wo käme man denn da hin, wenn man den Wein auch riechen könnte? Kurioserweise wird eine Nachbestellung im Kännchen gereicht und nicht in einem neuen Glas!?). Tja, und der verspätete Martini lag daran, dass Getränke in Reihenfolge der Bons gebracht würden, wo da was passiert ist, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Wirklich interessiert hat es sie aber nicht. Da war sogar der Küchenchef unserer eurest-Kantine bei EDS vor 25 Jahren interessierter …
Vielleicht sind wir aber auch nur von Reinhardt’s & Co., wo immer alles ziemlich perfekt läuft, verwöhnt.